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Rainer Buhmann

Motivation, Sinn und Zielsetzung im Schach – GM Rainer Buhmann & Janik Notheis

Warum spielst du eigentlich Schach? GM Rainer Buhmann und Sportpsychologe Janik Notheis über intrinsische Motivation, den Overjustification-Effekt der Elo-Zahl und den Unterschied zwischen Ergebnis-, Leistungs- und Prozesszielen.

Zweite Folge der Reihe von Großmeister Rainer Buhmann und Sportpsychologe Janik Notheis. Im Zentrum steht eine Frage, die viele Turnierspieler nach Jahren aus dem Blick verlieren: Warum spiele ich eigentlich Schach? Aus der Antwort ergibt sich, wie stabil die eigene Motivation ist – und wie sinnvoll die Ziele sind, die man sich setzt.

Warum die Frage nach dem Warum am Anfang steht

Buhmann beginnt sein Training mit Schülern regelmäßig damit, aufschreiben zu lassen, warum sie Schach spielen. Der Grund: Kaum jemand fängt an, um eine Elo-Zahl zu bekommen, doch nach Jahren im Wettkampfbetrieb dominiert genau dieses Denken. Wer sich die ursprüngliche Begeisterung bewusst macht – Entdeckerfreude, die Schönheit einer Kombination, das Abschalten vom Alltag, die Gemeinschaft –, relativiert automatisch die Angst vor Ergebnissen. Als praktisches Werkzeug beschreibt er eine Wertepyramide mit drei Ebenen: Ergebnisorientierte Ziele landen dabei nie im Fundament, sondern an der Spitze.

Der Overjustification-Effekt und der Selbstwertanker

Notheis erklärt, warum externe Messwerte gefährlich werden können: Der psychologisch belegte Overjustification-Effekt beschreibt, wie ein äußerer Anreiz – im Schach die Elo, Titel oder Preisgelder – die ursprüngliche innere Motivation verdrängt. Die Folgen sind weniger Trainingsmotivation, geringere Resilienz und schwächeres Durchhaltevermögen. Kritisch wird es zusätzlich, wenn Spieler ihr Schach zum Selbstwertanker machen und sich über Intelligenz definieren: Eine Niederlage wird dann zur Abwertung der eigenen Person. Stehen dagegen Neugier, Ästhetik oder Gemeinschaft im Vordergrund, wirkt Schach sogar gesundheitsförderlich.

Ergebnisziele, Leistungsziele, Prozessziele

Die drei Zielarten unterscheiden sich vor allem in der eigenen Kontrolle. Ergebnisziele lassen sich nur bedingt beeinflussen – die Stärke und Vorbereitung des Gegners liegen außerhalb der eigenen Reichweite. Prozessziele dagegen sind vollständig kontrollierbar: jeden Kandidatenzug durchrechnen, das Zeitmanagement einhalten, kritische Entscheidungen doppelt prüfen. Buhmann warnt vor einer schachspezifischen Verwechslung: Die Turnier-„Performance“ im Sinne einer Elo-Leistung ist ein Ergebnis, kein Leistungsziel. Weil sich Stellungen anders als 100-Meter-Läufe nicht vergleichen lassen, empfiehlt er den Schwerpunkt klar auf Prozessziele – mit einer Balance zu Ergebniszielen, die im Hintergrund motivieren, statt während der Partie präsent zu sein.

Ziele richtig formulieren

Notheis empfiehlt für die Formulierung das SMART-Format: messbar, terminiert, attraktiv und an den eigenen Stärken und Schwächen ausgerichtet, nicht wahllos gewählt. Buhmann ergänzt einen Punkt, der in der Praxis oft übersehen wird: Ziele brauchen einen Hin-zu-Zustand ohne Verneinung. Wer sich vornimmt, „nicht in Zeitnot zu kommen“, hat vier Stunden lang das Bild Zeitnot im Kopf – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die tragfähige Alternative lautet: „Ich teile mir meine Bedenkzeit gut ein und nutze sie für kritische Stellungen“ oder „In unkritischen Stellungen vertraue ich meiner Intuition und spiele zügiger“.

Bezug zur ChessMind-Methodik

Motivation und Zielsetzung sind auf ChessMind kein Vorspann, sondern Teil des Trainingspfads. Die mentale Analyse macht sichtbar, wie stark das eigene Denken an Ergebnissen hängt; darauf aufbauende Programme übersetzen die im Video beschriebenen Prinzipien in konkrete Prozessziele und Reflexionen nach der Partie. Wer die Folge gesehen hat, kann die eigene Wertehierarchie und Zielformulierung direkt im Training weiterbearbeiten.

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